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Hitlers Atommüll in der Asse?

Die Presseberichte über die Einlagerung von Uranabfällen der Atomwaffenforschung aus dem zweiten Weltkrieg erhärten nach Ansicht des Fraktionsvorsitzenden der Landtagsgrünen Stefan Wenzel die Vermutung, dass die Informationen zum radioaktiven Inventar der Asse immer noch unvollständig sind.

"Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss hat in zwei Jahren keine einzige Information zu Einlagerungen von militärischen Abfällen aus dem zweiten Weltkrieg bekommen", so der Grünen-Politiker heute (Dienstag) in Hannover. Fakt sei allerdings, dass die EURATOM-Behörde, die dem Energiekommissar Oettinger unterstellt ist, die Rechtsnachfolger des Kernforschungszentrums Karlsruhe und das Bundeskanzleramt nur rudimentäre Akten geliefert haben.

Wenzel: "Der Umgang mit dem Parlament ist skandalös. Wir werden nicht akzeptieren, das einem demokratisch gewählten Parlament Informationen vorenthalten werden." In einem Pressebericht aus den siebziger Jahren wird ein stellvertretender Betriebsleiter der Asse zitiert. Man habe "Uranabfälle, die bei der Vorbereitung der deutschen Atombombe anfielen" aus "Betonbunkern in der Nähe von München herausgeholt", um sie in der Asse einzulagern.

Gegen das Kanzleramt hat der parlamentarische Untersuchungsausschuss des Landtages zwischenzeitlich eine Klage auf Aktenherausgabe eingeleitet. Bereits zweimal hat das Kanzleramt um Verlängerung der Fristen für die Klageerwiderung gebeten, weil man ein Verfahren von "grundsätzlicher Bedeutung" sieht.

Auch die LINKE im niedersächsischen Landtag fordert Aufklärung. So erklärte am Dienstag Victor Perli, der Wolfenbütteler Landtagsabgeordnete der Fraktion DIE LINKE im Landtag und Mitglied des Asse-Untersuchungsausschusses:

"Nach all den Hiobsbotschaften aus der Asse würde es mich nicht wundern, wenn auch an diesen Berichten etwas dran ist. Die Öffentlichkeit und vor allem die Beschäftigten und Anwohner der Asse haben ein Recht darauf zu erfahren, ob auch Uranabfälle aus der Nazizeit in der Asse liegen. DIE LINKE fordert Bundeskanzlerin Merkel auf, ihre Blockade des Asse-Untersuchungsausschusses endlich aufzugeben.

Merkels Weigerung, alle alten Asse-Akten freizugeben, nährt den Verdacht, dass dem Kanzleramt unbekannte und noch nicht aufgearbeitete Erkenntnisse vorliegen. Bekanntlich haben frühere Bundesregierungen und die Atomindustrie die Asse als günstige Gelegenheit betrachtet, über Jahrzehnte angesammelten, hochgiftigen Müll unauffällig zu entsorgen. Dass es dabei auch Geheimprogramme gab, ist nicht auszuschließen. Die jetzt bekannt gewordenen Aussagen des stellvertretenden Asse-Betriebsleiters von 1974 legen das sogar nahe. Wir verlangen eine vollständige Aufklärung dieses Sachverhalts."

HINTERGRUND: Ausgelöst hat die Diskussion ein am Dienstag erschienener Artikel in der WELT, der sich wiederum auf einen 37 Jahre alten Artikel der Hannoverschen Allgemeine Zeitung bezieht, nach dem ein ehemaliger Betriebsrat des Asse-Bergwerks behauptet hatte, dort sei Atommüll aus dem Nazi-Atombombenprogramm gelagert. In dem Welt-Artikel heißt es allerdings auch, dass Experten - unter anderem das Bundesamt für Strahlenschutz - es für äußerst unwahrscheinlich halten, dass der Nazi-Atommüll tatsächlich in der Asse lagert.


von asb, 2011-07-12 18:42
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