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Region "Autonomes Vietzer Huhn": wir greifen zur SelbsthilfeWas tun, wenn die Lust auf Hühnersuppe + frische Eier über Supermärkte guten Gewissens nicht mehr zu befriedigen ist? Getreu dem Motto "Wer glückliche Hühner will, muss sich selber darum kümmern!" greift eine Dorfinitiative in Vietze nun zur Selbsthilfe. wnet begleitet das Projekt ab sofort mit einem Themen-Blog.
Bilder von eng zusammen gestopften Hähnchen, die in kürzester Zeit mit Hilfe von Antibiotika und anderen Masthilfen zu "Sonntagshähnen Klasse Ia" heran gezogen werden, um dann möglichst billig an den Handel verkauft zu werden - nicht zu vergessen die Medikamentenskandale - haben die Lust auf Coq au vin oder einer kross gebratenen Hähnchenkeule gen Null sinken lassen. Ein kleiner Überblick in Sachen Preise: Für den Agrarmarkt in Nordrhein-Westfalen wurde der Erzeugerpreis "Masthähnchen/Deutscland, Leichtmast 1500 g" für die Woche bis zum 22. Januar 2012 mit 0,925 Cent/kg Lebendgewicht angegeben. Ein bratfertiges Huhn für 2,00 Euro? Da wird schon angesichts der Erzeugerpreise klar, dass Landwirte, die sich für Masthähnchenzucht entscheiden, nur dann eine Überlebenschance haben, wenn sie erstens Masse liefern. Das geht wiederum nur, wenn sie die späteren Grillhähnchen so schnell wie möglich auf Verkaufsgröße bringen. Eine derartige Massen-Turbozüchtung muss mit Medikamenten und Antibitioka arbeiten, um Krankheiten aus den eng besetzten Ställen (besser: Hallen) fern zu halten - zumal Antibiotika auch als Masthilfe dienen. Wir haben es satt! Was also tun? Biohühner werden in der Region für rund 20,- Euro das Stück gehandelt und sind außerdem rar gesät. Die Konsequenz, dann eben gar kein Huhn mehr zu essen, kommt nicht für Jeden in Frage und ist für Manchen ein Verzicht, der den Fastenvorschriften der Katholischen Kirche nahe kommt. Beim Wein und leckerem Wildfleisch aus heimischen Wäldern kam dann in nachbarlicher Runde die Idee auf, die Versorgung mit Hühnerfleisch (und frischen Eiern) in die eigenen Hände zu nehmen: Wir gründen einen Hühnerstall! Sponsoren für das Projekt waren schnell gefunden. Die Aussicht, demnächst Zugriff auf Hühner zu haben, die - wie früher auf den Höfen üblich - sowohl Fleisch als auch Eier liefern, ließ die Brieftasche schnell ganz offen werden ... Rückzahlung und Zinsen werden in Fleisch und Eiern nach vorher festgelegten Werten abgerechnet. Ein Platz im Garten war auch schnell gefunden, ebenso wie ein kräftiger Handwerker, der sich - ebenfalls beflügelt von der Aussicht auf frische Eier und Hühnerfleisch - schnell bereit erklärte, Stall und Zaun zu bauen. Nun wird es ernst! Nach weiteren zwei - drei Flaschen Rotwein war man sich schnell einig: 1. Wir wollen keine Hybridhühner (diese sind für die eigene Nachzucht nicht geeignet, es müssten also alle Jahre neue Hühner vom Großhandel gekauft werden, deren Aufzuchtbedingungen wir nicht kennen) 2. Gesucht werden also sogenannte "Zweinutzungshühner", die sowohl ausreichend Fleisch ansetzen als auch eine befriedigende Anzahl an Eiern liefern. Es gilt also, geeignete Rassen zu finden. Schon beim Gespräch darüber flogen diverse, auf den ersten Blick exotische Begriffe über den Tisch: Wyandotte, New Hampshire, Vorwerk, Westfälische Totleger .... Welches ist das beste Zweinutzungshuhn? Und wo kommen die Junghühner her? 3. Gefüttert wird nur mit "reinem" Futter wie Getreide und Grünzeug. Auch wieder eine Herausforderung: Gibt es zum Beispiel nicht-genveränderten Futtermais bzw. -Getreide? Ernüchternde Zahlen Schnell war aber auch die ernüchternde Erkenntnis da, dass auf der zur Verfügung stehenden Fläche (und den vorhandenen Kapazitäten) maximal 30 Hühner gehalten werden können. Wenn alles optimal läuft, könnte zweimal pro Jahr geschlachtet werden. Es stehen also pro Jahr voraussichtlich lediglich 40 Masthähnchen zur Verfügung. Nur mal spaßeshalber durchgerechnet: Um die Höhbecker (rund 500 Einwohner) so mit Hühnerfleisch zu versorgen, dass Jede/r einmal monatlich ein Huhn essen kann, müssten wir pro Jahr 6000 Hühner schlachten. Diese kleine theoretische Rechnung gibt zu denken: um die aktuell 81 Mio. Einwohner Deutschlands so mit Hühnerfleisch zu versorgen, dass sie einmal pro Monat in den Genuss von Huhn kommen, müssten 972 000 000 Masthühner auf den Markt gebracht werden! Das kommt den vom Zentralverband der Geflügelzüchter Deutschland veröffentlichten Verbrauchszahlen recht nahe: Demnach betrug der Pro-Kopf-Verbrauch an Hähnchenfleisch in Deutschland im Jahre 2009 11,3 kg bzw. 926 000 Tonnen. Angesichts dieser gigantischen Zahlen wird das "Autonomes Vietzer Huhn"-Projekt ein Selbstversorger-Projekt bleiben (müssen) - aber womöglich ein Modell zum Nachmachen? Im Frühjahr sollen die Hühner einziehen Bereits im Frühjahr sollen die ersten Hühner in das "Autonomes Vietzer Huhn" - Gemeinschaftsheim einziehen. Bis dahin ist noch einiges zu klären: Wie groß muss der Stall sein? Materialien für Stall und Zaun müssen herangeschafft, die rechtlichen Bedingungen geklärt werden. Ausserdem müssen die geeigneten Hühnerrassen ausgewählt und Lieferanten gefunden werden. Dann kommt der Alltag eines Hühnerhalters: Törchen auf, Törchen zu, Schutz vor Iltis, Marder und Fuchs, Futterbeschaffung, Reinigung, Milbenvorsorge und, und, und ... Doch was hunderte Jahre in den Dörfern selbstverständlicher Alltag war, muss auch uns nicht schrecken ... Die Hühnerhaltung war nicht die anstrengendste Aufgabe unserer Großeltern. +++ wir werden in unserem "Autonomes Vietzer Huhn"-Blog regelmässig über den Fortgang des Projektes berichten +++ Foto: Küken von Vorwerk-Hühnern, einer alten Haushuhnrasse, die seit 1900 als sogenanntes "Zweinutzungshuhn" in ganz Europa Verbreitung fand. / Dr. Lukanov/wikipedia.de von Angelika Blank , 2012-01-23 18:48 Kommentieren
Körner?
Das Vorhaben ist ehrbar und absolut nachvollziehbar. Wir haben auch mehrfach überlegt, wie wir mitten in der Stadt dennoch eigene Hühner züchten könnten. Ein Grund war aber weniger das Fleisch, als vielmehr die Eier. Hühner werden heute fast immer mit Soja gefüttert. Zusätzlich mit Weizen, Mais, Roggen, Hafer e.c. - dadurch enthalten auch die Eier in hohem Maße mehrfach ungesättigte Fettsäuren, was bei einer artgerechten Ernährung nicht der Fall wäre. In der Natur fressen Hühner Gräser, Blätter, Würmer, Käfer - teilweise sogar Mäuse, wenn sie die zufällig erwischen. Hatten Sie auch an diese Form der artgerechten Haltung gedacht? von: Dr. Holmer
...da gibt es aber noch...
...die Pisselberger Dammhenne (linkes kurzes, rechtes langes Bein) und den Pisselberger Dammhahn (rechtes kurzes, linkes langes Bein). Bei der Balz können sich diese possierlichen Tierchen trotz des abfallenden Bahndammes in die Augen schauen... Oh wie süß. Neben den Vietzer Hühnern (und natürlich den Penkefitzer) die glücklichsten Tiere des Wendlands. von: Grzymek
Penkefitzer ...
... Deichhuhn, Vietzer Berghuhn .... ich schmeiss mich weg, habe selten so gelacht. Schön, dass es in den Kommentaren auch einmal so zugehen kann :-) Und zum Projekt: Eine tolle Idee und meine Achtung vor den Initiatoren, welche die Dinge in die Hand nehmen. Auch ich wünsche gutes Gelingen und freue mich: ein paar mehr glückliche Hühner auf dieser Welt! von: Rennschnecke
Hühnerrassen
Ist doch egal ob Zweibeinig, mit rechtem kurzen und linken langem Bein oder linkem kurzem und rechtem langem oder sogar Dreibeinig. Fakt ist, das sich Menschen, anstatt nur zu reden, daran gemacht haben Tatsachen zu schaffen. Wie viele ärgern sich, zu recht, über die grausamen Bedingungen in der Tierhaltung aber machen nichts und nun hat ein Dörfchen beschlossen dieses zu ändern. Hühner die ihr Dasein auf Erden, bis es denn im Kochtopf endet, glücklich genießen können. Die frei umherscharren können und nicht auf einem noch nicht einmal DIN A4 großem Käfigboden dahin vegetieren müssen. Die nicht, sobald sie aus dem Ei sind schon mit Medikamenten vollgestopft werden nur damit sie bei diesen Haltungsbedingungen nicht gleich tot gehen. Es werden glückliche Hühner sein die wohlschmeckende Eier produzieren. Solche Eier schmecken nämlich um Längen besser als sogenannte KZ-Eier. Ich finde dieses Projekt einfach klasse und wünsche den neuen Hühnerbauern ein gutes Gelingen. von: AusdemNachbardorf
Vietzer Berghuhn
Anders als das Penkefitzer Deichhuhn hatte das Vietzer Berghuhn links ein sehr langes und rechts ein sehr kurzes Bein, das begünstigte zwar das Laufen entlang der Elbensteilküste, hatte aber den Nachteil, dass das Huhn, sobald es in Pevestorf ankam, nicht mehr zurückfand, denn der Rückweg war durch die links/rechts-Problematik und die damit einhergehende Schieflage sehr schwierig. Das Vietzer Berghuhn war deshalb ein Flughuhn. Bedauerlicherweise ist dieses Huhn ausgestorben, was auch daran lag, dass man es in Pevestorf, bevor es zum Abflug ansetzte, einfing und daraus die berühmte Wendländische Hochzeitssuppe kochte. von: Frau Harke
Deichhühner züchten!
Ich rate zur Zucht einer seltenen, aber hier zu findenden Hühnerrasse, die schon durch eine gewisse, namensgebende Eigenart, nur zur Freilandhaltung unter hiesigem Himmel geeignet ist. Es geht um das Penkefitzer Deichhuhn! Im Laufe eines vieljährigen Evolutionsprozesses hat es infolge weiten Auslaufes an den Hochwasser-Schutzwällen das rassetypische Merkmal entwickelt: ein kurzes und ein längeres Bein. Diese Kombination ist vonnöten, damit die Hühner beim Laufen entlang der Deichschräge nicht umkippen. Jede/r PenkefitzerIn gibt gern Auskunft, wo es Deichhun-Eier gibt - zum Beginn einer erfolgreichen Zucht! von: Tommy Settembrini
Hühnerbeine?
die wollte ich noch nie, die sind zu dünn! wenn schon dann einen Schenkel - oder doch die Brust ;-) von: fleischesser [Weniger passende Kommentare] | Veranstaltungen Xhigung Thai Xhi im Wiesenlabyrinth. Dannenberg - "nah am Wasser gebaut" Partner Anzeigen ![]() |


Seit Monaten stieg das schlechte Gewissen immer mehr, wenn wieder einmal die Lust auf Hühnerbeine die hehre Absicht zunichte machte, nie wieder Hühnerfleisch aus Qualhaltungen zu kaufen.


... die Schnecken nicht zu vergessen! Klar, bekommen die Hühner Körnerfutter - und zusätzlich das, was der Garten an (tierischem) Eiweiß sonst noch zu bieten hat ... wie z.B. S c h n e c k e n ...
von: Angelika Angelika Blank