Thema: landwirtschaft

Bioenergiesektor bestimmt Landwirtschaft

Eine neue Studie des Johann Heinrich von Thünen-Institus in Braunschweig belegt, dass der Bioenergiesektor auf die Entwicklung der Landwirtschaft einen großen Einfluss ausübt. Dies gelte sowohl für den Agrarhandel als auch für die Anbaustrukturen und die Umweltwirkungen der Landwirtschaft.


Die agrarökonomischen Institute innerhalb des Thünen-Instituts erstellen alle zwei Jahre Projektionen der erwarteten Entwicklungen im deutschen Agrarsektor. Dabei stützen sie sich auf ökonomische Modelle (Betriebs-, Regions- und Marktmodelle; sog. Modellverbund). Bei den Projektionen wird davon ausgegangen, dass sich während des Untersuchungszeitraums die derzeitige Agrarpolitik nicht ändert.

Zusätzlich werden bestimmte Annahmen zur Entwicklung äußerer Einflussfaktoren, wie zum Beispiel globales Wirtschaftswachstum, getroffen. Diese sogenannte „vTI-Baseline“ stellt somit keine Prognose dar, sondern bildet ein Referenzszenario, mit dem sich die Auswirkungen verschiedener Politikoptionen analysieren lassen. Die diese Woche veröffentlichte vTI-Baseline 2011 – 2021 wurde in enger Abstimmung mit Fachreferaten des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) erstellt. Erstmals wurden in Kooperation mit dem Thünen-Institut für Agrarrelevante Klimaforschung auch die Umweltwirkungen der Landwirtschaft ausführlich dargestellt.

Immer mehr Rohstoffe für Biotreibstoffe müssen importiert werden

Die Projektion zeigt, dass das Handelsbilanzdefizit der EU bei Agrarprodukten weiter ansteigt (von 21 auf 35 Mrd. Euro), weil verstärkt Ölsaaten und Getreide als Rohstoffe für die Produktion von Biotreibstoffen importiert werden müssen. Ansonsten würden die Beimischungsverpflichtungen der EU-Biokraftstoffrichtlinie nicht eingehalten werden.

Diese politisch festgelegten Beimischungsverpflichtungen beeinflussen neben den Weltmarktpreisen die Entwicklung der Erzeugerpreise. Im Baseline-Szenario liegen die projizierten Erzeugerpreise für pflanzliche Produkte in Deutschland weiterhin auf vergleichsweise hohem Niveau. Höhere Preise für Vorleistungen einschließlich Futter verteuern die tierische Erzeugung weltweit. Bei den Milchprodukten werden die Binnenmarktpreise durch die steigende Nachfrage auf dem Weltmarkt zusätzlich gestützt.

Energiemaisanbau wird mehr als verdoppelt

Nach den Modellanalysen hat die Förderung des Biomasseanbaus zur Energiegewinnung den größten Einfluss auf die Entwicklung der landwirtschaftlichen Flächennutzung in Deutschland. Unter den getroffen Annahmen wird der Energiemaisanbau bis 2021 von 450 000 ha im Jahresdurchschnitt 2006-2008 auf etwa 1,4 Mio. ha ausgedehnt, wofür stillgelegte Flächen genutzt sowie die Getreide- und Ölsaatenproduktion vermindert werden. Die Milcherzeugung wird bis zum Jahr 2021 bei weitgehend stabilen Preisen nach dem Wegfall der Milchquoten um rund 7 % erhöht. Wie schon in der Vergangenheit wird sich die Milchproduktion weiterhin stärker auf die günstigen Grünlandstandorte konzentrieren.

Im Vergleich zum Zeitraum 2006 bis 2008 geht das durchschnittliche Betriebseinkommen pro Arbeitskraft in der vTI-Baseline leicht zurück, liegt aber deutlich über dem Niveau der letzten zehn Jahre. Während die Einkommen in Milchviehbetrieben (-4 %) und sonstigen Futterbaubetrieben (-15 %) rückläufig sind, können Ackerbaubetriebe infolge des relativ hohen Preisniveaus für Getreide und Ölsaaten und neuer Einkommensmöglichkeiten aus dem Anbau von Energiemais ihr vergleichsweise überdurchschnittliches Einkommensniveau aus dem Basisjahrzeitraum halten. Unter den getroffenen Annahmen profitieren Veredlungsbetriebe (+21 %) von steigenden Schweine- und Geflügelfleischpreisen, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Betriebsergebnisse der Veredlungsbetriebe von einer hohen Volatilität gekennzeichnet und im Basisjahrzeitraum häufig unterdurchschnittlich ausgefallen sind.

Gärreste aus der Biogaserzeugung bringen neue Belastungen

Die Ammoniak-Emissionen in Deutschland stagnieren etwa auf Höhe der EU-rechtlich festgelegten Emissionsobergrenze. Um die Obergrenze gesichert und dauerhaft zu unterschreiten, müssen die Emissionen weiter gemindert werden. Steigende Hektarerträge und der Ausbau der Energiepflanzenproduktion lassen eine erhöhte N-Düngungsintensität und einen Anstieg des Stickstoffsaldos um ca. 10 % erwarten. In Regionen und Betrieben mit intensiver Tierhaltung wird sich die dort bestehende Stickstoffproblematik bis 2021 nicht entschärfen. Eine zunehmende Rolle spielen auch die Gärreste aus der Biogaserzeugung, die bei geringer Verwertung des Stickstoffs ebenfalls die Salden erhöhen und zudem eine neue Quelle für Ammoniak-Emissionen darstellen.

Der Bericht „vTI-Baseline 2011 – 2021: Agrarökonomische Projektionen für Deutschland“ kann kostenlos von der Homepage des Thünen-Instituts hier! heruntergeladen werden.

Der Bericht kann auch als Druckexemplar für 10 Euro beim Thünen-Institut (landbauforschung[ät]vti.bund.de) erworben werden.

Offermann, F. et al. (2012): vTI-Baseline 2011 – 2021: Agrarökonomische Projektionen für Deutschland. Landbauforschung , Sonderheft Nr. 355, Braunschweig.

Foto: Ch. Pagenkopf - Raps zur Produktion von Biodiesel gehört zu den wichtigsten Energiepflanzen Mitteleuropas ...

2012-03-18; von pm / asb

  landwirtschaft erneuerbare energie

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