Fünf Jahre nach dem GAU von Fukushima
Fünf Jahre nach dem GAU im Atomkraftwerk Fukushima leben immer noch rund 100 000 Menschen in Behelfswohnungen außerhalb der "Zone". Und die Zahl der an Schilddrüsenkrebs Erkrankten steigt ständig.
Für fünf Jahren, am 11. März 2011, kam es nach einem Erdbeben in drei Reaktoren des Atomkraftwerks in Fukushima zu einer Kernschmelze. Eine große Menge radioaktiven Materials wurden dabei freigesetzt und verseuchte rund 30 Kilometer rings um das Atomkraftwerk. Radioaktive Belastungen wurden aber in einem weit größeren Umfeld festgestellt. Auf der internationalen Ines-Skala wurde der Unfall mit der höchsten Stufe 7 (größter anzunehmender Unfall) bewertet.
Die Kosten für die Sanierung der zerstörten Atomanlage werden auf über 150 Milliarden geschätzt. Erst im August 2015 konnte ein größeres Trümmerteil aus dem zerstörten Reaktorblock 3 entfernt werden - Grundvoraussetzung, um die geschmolzenen Brennstäbe entfernen zu können.
In der Folge des GAUs von Fukushima stieg nicht nur Deutschland aus der Atomkraft aus. Auch in Japan wurde zunächst der Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen, später auf Druck der Industrie aber wieder zurückgenommen.
Heute, sechs Jahre nach dem GAU, leben immer noch rund 100 000 (von damals 164 000) Menschen in Behelfswohnungen oder bei Verwandten außerhalb der verseuchten Zone. Wann sie jemals wieder in ihre Heimat zurückkehren können ist ungewiss. Die Zahl der Schilddrüsenerkrankungen steigt kontinuierlich an - vor allem Kinder sind betroffen.
Nach dem GAU von Tschernobyl bleibt Fukushima eine Mahnung, die Risiken der Atomkraft ernst zu nehmen und auf diese gefährliche Technologie zu verzichten.
Zum fünften Jahrestag der Katastrophe von Fukushima haben
AtomkraftgegnerInnen in mehr als 200 Städten Mahnwachen organisiert.
Dazu erklärt Armin Simon von der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt: „Der Konflikt um die Atomkraft ist noch nicht beendet. 30 Jahre nach
Tschernobyl und 5 Jahre nach Fukushima sind in Deutschland noch acht
Atomkraftwerke in Betrieb. Der nächste Super-GAU könnte auch bei uns
passieren. Müssten die AKW-Betreiber ihre Reaktoren gegen dieses Risiko
versichern, wären diese längst vom Netz. Fukushima mahnt, das Atom-Risiko endlich abzuschalten – bevor es zum
nächsten schweren Atomunfall kommt."
Und die grüne Landtagsabgeordnete Miriam Staudte erinnert an die Folgen für die Menschen: "Die Katastrophe von Fukushima hat 150.000 Menschen aus ihrem Zuhause
vertrieben. Dabei wurden die Evakuierungsradien viel zu klein gewählt,
weil man keine Großstädte evakuieren konnte. Es müssten also noch viel
mehr Menschen umgesiedelt werden," so Staudte. "Dabei schützt der Staat nicht seine Menschen, sondern die Atomkonzerne. 1,5
Jahre nach dem Unglück hat die japanische Regierung 10 Milliarden für
Mehrheitsanteile der Tepco-Aktien auf den Tisch gelegt, um die
Insolvenz Tepcos abzuwenden. Denn Tepco ist seit der Atomkatastrophe
ruiniert: Das Unternehmen, jetzt muss man sagen die Regierung, muss 1,5
Mio. Menschen entschädigen."
Deshalb gehöre in Deutschland der Atomausstieg ins Grundgesetz, damit die Hürden, ihn rückgängig zu machen, höher sind, so Staudte weiter.
Und ihre Kollegin im Bundestag, Julia Verlinden: " Auch für Gorleben bedeutet
Fukushima eine Zäsur. In Folge der Katastrophe und der damit
aufflammenden Proteste wurden die Castor-Transporte nach Gorleben
gestoppt und schließlich die Erkundungsarbeiten eingestellt. Nur bei
den Beschlüssen zur neuen ergebnisoffenen und vergleichenden
Endlagersuche hat sich die Bundesregierung den echten Neuanfang
erschwert und den geologisch ungeeigneten Standort Gorleben im
Verfahren belassen. Das weckt kein Vertrauen, was nach den
gescheiterten Atommülldeponien in der Asse und in Morsleben so
dringend gebraucht würde."
Foto: Wegen Radioaktivitätsbelastung gesperrter Wohnbereich in dem über 200 km von Fukushima entfernten Kashiwa (das Foto stammt von 2012).
2016-03-11 ;
von
asb (autor),
in Fukushima, Präfektur Fukushima, Japan
fukushima
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