Thema: fracking

Aufsuchungserlaubnis: Gibt es bei Prezelle Erdöl oder Erdgas?

Wie jetzt bekannt wurde, hat das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) als zuständige Bergbehörde am 4. Dezember eine sogenannte „Aufsuchungserlaubnis“ für die Suche nach Erdöl und Erdgas für ein 160 km² großes Gebiet bei Prezelle erteilt. Die Erlaubnis gilt vom 01.01.2014 bis zum 31.12. 2019.

Diese Aufsuchungserlaubnis berechtigt lediglich zur Recherche, ob sich im Untergrund womöglich Erdgas oder Erdöl findet. "Dazu kann Aktenstudium ebenso dienen wie die Durchsicht von Diplomarbeiten," so ein Sprecher des LBEG am Montag. 

Das Feld erstreckt von Kriwitz (Lemgow) im Südwesten bis zur Elbe bei Schnackenburg im Nordosten, von Klein Breese im Westen bis an die Landesgrenze im Wald bei Prezelle (siehe Karte). Unterirdisch reicht das Gebiet bis ca. 300/400 m an den Erkundungsbereich im Salzstock Gorleben heran. Oberirdisch ist das Gebiet allerdings "4,3 km vom Grubengebäude" entfernt, wie ein Sprecher des LBEG betonte. 

UPDATE - 11.12.2013:

Nach Aussagen des LBEG ist der Landkreis mit einer Stellungnahme in das Verfahren einbezogen gewesen. Im Landkreis sieht man das allerdings etwas anders. Andre Most, der beim Landkreis Lüchow-Dannenberg für wasserwirtschaftliche Fragen zuständig ist: „Wir haben in unserer Stellungnahme deutlich darauf hingewiesen, dass wir dem gesamten Aufsuchungsverfahren äußerst kritisch gegenüber stehen,“ so Most. „Das LBEG weist zwar in seinem Bescheid darauf hin, dass diese Aufsuchungserlaubnis nicht zum Fracking berechtigt, aber wir befürchten, dass die Aufsuchungerlaubnisse nur der erste Schritt auf dem Weg zum Einsatz des umstrittenen Förderverfahrens sind.“

Most wies in seiner Stellungnahme noch einmal darauf hin, dass das Frackingverfahren vor allem aus wasserwirtschaftlicher Sicht kritisch gesehen wird, weil dabei wassergefährdende Stoffe ins Erdreich geleitet werden, um Gesteinsschichten zur Förderung von Schiefergas gängiger zu machen.

Doch der Landkreis hat mit seiner kritischen Sicht bisher wenig bis keinen Einfluss auf die Entscheidungen des LBEG. Most: „Wenn die Aufsuchungsverfahren in die zweite Runde gehen und es um die Genehmigung von Planungs- und Bauverfahren geht, dann wird das LBEG zur Wasserbehörde und der Landkreis wird dann kaum noch eingebunden. Mit dieser Aufgabenteilung sind wir gar nicht zufrieden, weil wir letztendlich ganz ganz wenig Einflussmöglichkeiten haben.“

Die jetzt erteilte Aufsuchungsgenehmigung für das „Feld Prezelle“ macht dem Landkreis auch in anderer Hinsicht Sorgen. Der Landkreis befürchtet durch die Nähe zum Gorlebener Salzstock  zusätzliche unnötige und vermeidbare Gefahrenpotenziale.

Für das LBEG war die Nähe zu den Atomanlagen in Gorleben kein Grund, die Aufsuchungserlaubnis zu versagen. „Es wird immer ein wesentlich größeres Gebiet für die Recherche freigegeben als letztendlich zur Förderung freigegeben wird,“ so ein Sprecher des LBEG. Das LBEG erteilt die Aufsuchungserlaubnisse nach vorher festgelegten Flächengebieten - das "Feld Prezelle" hat zum Beispiel die Nr. 3034. Warum Aufsuchungserlaubnisse auch für Gebiete erteilt werden, von denen von vornherein klar ist, dass dort niemals gefördert werden wird, wie z.B. unter Gartow, bleibt bisher im Dunkeln.

Die von den Unternehmen gesammelten Daten stehen am Ende auch dem LBEG für seine Datenbank über die Bodenbeschaffenheiten in Niedersachsen zur Verfügung (Nibis-Kartenserver ) - womöglich ein Grund für die flächendeckenden Aufsuchungserlaubnisse? Eine klare Antwort gab es bisher auf diese Frage nicht. 

Kreistag: Gruppe X spricht sich für konventionelle Gasförderung aus

Im nächsten Kreistag am 17. Dezember will die Gruppe X beschließen lassen, dass das Gremium sich grundsätzlich für die Unterstützung konventioneller Gasförderung ausspricht. Die Anwendung des Frackingverfahrens wird von der Gruppe allerdings weiterhin vehement abgelehnt.

Grafik ( Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie) : Karte des erlaubten Aufsuchungsgebiets "Prezelle"


2013-12-10 ; von Angelika Blank (autor),
in Prezelle, Deutschland

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