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Asse-Atommüll: Um 12:49 Uhr begann die Bohrung

Unmittelbar nach dem Besuch von Bundesumweltminister Peter Altmaier begann am Freitag Mittag überraschend die Anbohrung einer ersten Kammer im maroden Salzbergwerk ASSE II. Unterdessen tritt das BfS Befürchtungen von Atomkraftgegnern entgegen, dass eine Flutung des maroden Endlagers kurz bevorstehe.

Ein Schelm, wer Taktik dahinter vermutet: Pünktlich zum Besuch des neuen Bundesumweltministers Peter Altmaier im maroden Atommüll-Endlager ASSE II, wo rund 126000 Fässer mit schwach- bis mittelaktivem Atommüll vor sich hin rotten, waren am Donnerstag die letzten Genehmigungshindernisse für eine erste Probebohrung in Richtung einer gefüllten Kammer beseitigt worden.

Nun wurde noch am Freitag Mittag gegen 13:00 Uhr, kaum dass der Minister das Gelände verlassen hat, mit der Anbohrung einer ersten Kammer begonnen. Wie Udo Dettmann vom ASSEII-Koordinierungskreis erläuterte, wird es wohl zwei Monate dauern, bis es erste Erkenntnisse darüber gibt, wie es in dieser mit Atommüll-Fässern gefüllten Kammer tatsächlich aussieht. Immer wieder muss der Bohrer aus dem rund 20 Meter langen Bohrloch zurückgezogen werden, um zu überprüfen, ob mit dem nächsten Vordringen womöglich Metall (=Atommüll-Fass) angebohrt werden könnte.

Die jetzt zur Untersuchung in Angriff genommene Einlagerungskammer 7 (ELK 7) liegt in 750 Meter Tiefe. Sie ist ungefähr 30 m breit, 60 Meter lang und rund 10 Meter hoch. Eigentlich war dieser Raum Anfang des 20. Jh. zum Salzabbau aufgefahren worden. 1977/1978 wurden dann die insgesamt 1218 Behälter mit schwach radioaktiven Abfällen eingelagert.

Dabei handelt es sich um 200 und 400-Liter-Fässer, von denen derzeit unklar ist, ob sie überhaupt noch als vollständige Fässer existieren oder ob der Inhalt durch den permanenten Wasserzufluss womöglich bereits ausgelaufen ist. Über diesen abgekippten und dann mit gemahlenem Steinsalz überdeckten  Fässern, sind 3138 sogenannte "Verlorene Betonabschirmungen" gestapelt (Fässer, die zum Schutz vor Strahlung mit einem zehn Zentimeter dicken Betonmantel umkleidet wurden).

Im Jahre 1982 wurde diese ELK 7 verschlossen. Das rund 20 Meter lange Verschlussbauwerk besteht aus Salzbeton, Mauersteinen und Bitumenfugen. Wie sich dieser Aufbau genau zusammensetzt, soll beim jetzt gestarteten Anbohren erkundet werden.

Verzögerer sitzen in Berlin

Erst in den letzten Tagen war das für den Rückholplan zuständige Bundesamt für Strahlenschutz von CDU, CSU und FDP-Politikern attackiert worden, es verzögere die Rückholung. Immer wieder werden Diskreditierungsversuche gestartet, um den Ruf des unbeliebten Amtes, an dessen Spitze der ausgewiesene Grüne Wolfram König steht, zu schädigen.

Kurz vor Altmaiers Besuch kritisierte nun auch der ASSEII-Koordinierungskreis das für die Entwicklung eines Rückhol-Terminplans zuständige BfS. Die Assegegner befürchten, dass das Bundesamt die Flutung der Asse vorbereitet anstatt zügig konkrete Pläne für die Rückholung zu entwickeln.

"Das BfS bereitet nicht die Flutung der Asse vor, sondern setzt alle Kraft daran, die Asse so schnell wie möglich sicher stillzulegen. Das ist nach allem was wir wissen nur möglich, wenn wir die Abfälle herausholen. Damit wir überhaupt sicher in der Asse arbeiten können, müssen wir das Grubengebäude durch die sogenannten Vorsorgemaßnahmen zuvor stabilisieren," so BfS-Sprecher Florian Emrich einer Erklärung dazu.

Udo Dettmann ist allerdings der Ansicht, dass das BfS-Personal hauptsächlich für die Entwicklung von Notfallmaßnahmen und eben nicht vorrangig für die Entwicklung von Rückholungsmaßnahmen eingesetzt wird. Als Verantwortliche dafür sieht auch Dettmann das Bundesumweltministerium. "Abgesehen davon, dass dem BfS grundsätzlich zu wenig Personal zur Verfügung steht, wird dieses auch falsch eingesetzt. Außerdem sorgt das Bundesministerium immer wieder dafür, dass führende Positionen im BfS häufig umbesetzt werden. So sind keine Entscheidungen möglich, die ein zügiges Verfahren befördern."

Vor Ort versprach der neue Bundesumweltminister den Anwohnern der Asse "umfassende Unterstützung". Allerdings setzte er hinzu, dass sie (die Anwohner) "nicht mit allem einverstanden sein werden, was ich tun werde."

Ob der Start der Probebohrungen in der Asse also nur ein weiterer Versuch ist, das BfS vorzuführen oder ein Signal, dass Altmaier tatsächlich an der zügigen Rückholung des Asse-Mülls arbeitet, wird erst die Zukunft zeigen.

Foto (Michaele Mügge / PubliXviewinG): Minister Altmaier und Wolfram König (BfS)




2012-06-01 ; von Angelika Blank (autor),
in Kuhlager, 38319 Remlingen, Deutschland

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