Thema: milch

Den Milchbauern reichts - Tiefststand der Preise gefährdet Existenzen

Bundesweit beteiligten sich rund 20 000 Milchbauern an den Protesten gegen stetig sinkende Milchpreise. Auch in Uelzen versammelten sich mehr als 300 Landwirte, um für höhe Milchpreise zu demonstrieren.  

Zu den Protestaktionen aufgerufen hatte der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM). Vor 79 Molkereien versammelten sich die Milchbauern und forderten die Molkereien dazu auf, eine gemeinsame Lösung der Milchmarktproblematik anzustreben. Hintergrund der abendlichen Aktion mit Fackelzügen, Grablichtern und Mahnfeuern war das Motto „Wenn sich die Molkereien nicht schnell zur Zusammenarbeit entschließen, gehen in der Region schon bald die Lichter aus – nicht nur für die Bauern“. Verschiedene Redner, darunter teilweise auch Regionalpolitiker, verdeutlichten die Existenzsorgen der anwesenden Milcherzeuger und die Abhängigkeit vieler Molkereien von der Existenz der Bauern.

In einer Resolution, die an Molkereiverantwortliche übergeben wurde, forderten die Milcherzeuger die Molkereien u.a. auf, sie in ihrer Forderung nach einem Milchgipfel zu unterstützen. Außerdem erwarte man von den Molkereien eine offene Haltung gegenüber allen vom BDM vorgeschlagenen angebotswirksamen Maßnahmen, die den Milchmarkt wieder in ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage bringen.

In Uelzen unterstützte Europa-Abgeordnete Rebecca Harms den Protest der Milchbauern. Mit ihrer Rede vor den rund 300 Landwirten machte die Europa-Abgeordnete den Landwirten Mut: „Anders als für EU-Kommissarin Fischer Boel ist Milch für mich ein hochwertiges Lebensmittel - Nahrung, die für Menschen gemacht wird. Wenn Milch lediglich als Rohstoff für ein Welthandelsprodukt gesehen wird, geht der Bezug zum Menschen völlig verloren.“ Weiter kritisierte die EU-Parlamentarierin und Spitzenkandidatin der europäischen Grünen die jüngste Entscheidung, Exportsubventionen für Milch wieder einzuführen. „Es war falsch, mit den neuerlichen Subventionen die Überproduktion von Milch weiter zu fördern, statt regionale Märkte zu unterstützen. Damit werden die Milchpreise bei uns und in den Entwicklungsländern ruiniert und die Ernährungskrise verschärft.“ Auch in Sachen Quotenausstieg sei auf EU-Ebene nur angeblich das letzte Wort gesprochen, so Harms. „Wir müssen gemeinsam gegen den unsinnigen Kreislauf von Überproduktion und Dumpingexporten kämpfen“. ...

In seiner Pressemitteilung begrüßt der BDM es sehr, dass "die wochenlangen Proteste der Milcherzeuger mit der stetig wiederholten Forderung nach einem erneuten Milchgipfel nun Früchte getragen haben und der Milchgipfel nun am 28. April stattfinden soll." Doch die Pressesprecherin des Bundesministeriums enttäuscht die Landwirte: es wird zwar am 28. April 2009 einen mit Vertretern aller an der Kette der Lebensmittelproduktion beteiligten  Unternehmen und Organisationen geben. Auf der Tagesordnung stehen allerdings unter dem (Arbeits)Motto "Fairer Umgang miteinander" Fleisch, Obst und Gemüse ebenso wie die Probleme rund um die Milch. Pressesprecherin Judith Kons: "Dieser runde Tisch basiert auf den bereits in Brüssel durchgeführten High-Level-Gesprächen und soll auch die Chancen der Lebensmittelproduktion und des -vertriebs ausloten. Qualität ist eines der Hauptthemen, z.B. der letztlich in die Schlagzeilen geratene Analog-Käse, bei dem von Käse ja keine Rede mehr sein kann". Nach Vorstellungen des Ministeriums soll sich dieser runde Tisch etablieren und in regelmässigen Abständen stattfinden. "Hier ist auch vorstellbar, dass es zu einzelnen Themen Arbeitsgruppen gibt, die sich dann mit den Spezialthemen eines bestimmten Produktbereichs beschäftigen", so Judith Kons.

Trotz erster Irritationen sieht der BDM dies als ersten Schritt in Richtung Dialog und hofft, dass den Milchthemen ausreichend Zeit gewidmet wird. 

 

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2009-04-17 ; von asb (autor),

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