Thema: widerstand

Gorleben - Endlagergelände für einige Zeit besetzt

Der atomare GAU in Japan zog am Sonntag rund 500 Atomkraftgegner zum allsonntäglichen Spaziergang rund um das Erkundungsbergwerk. Doch dieses Mal blieb es nicht beim Spaziergang: rund 20 Traktoren und hunderte Demonstranten öffneten die Tore und ließen sich im Schachgelände für einige Zeit nieder.

Die Polizei war lediglich mit rund 20 einheimischen Beamten vor Ort - noch bevor Verstärkung eintraf, war die Besetzung schon wieder beendet.

"Eine Technologie, die Unfehlbarkeit verlangt wie die Atomkraft, übersteigt das menschliche Maß", unterstreicht die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI). Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Bundesumweltminister Nobert Röttgen sehen die Gorleben-Gegner jetzt unter Zugzwang. "Mit der - bei jeder Gelegenheit - wiederholten Ankündigung, die Sicherheit deutscher Atomkraftwerke zu überprüfen, wird Schwarz-Gelb nicht mehr durchkommen, den Tanz auf dem atomaren Vulkan haben die Menschen satt", konstatiert die BI.

Zu einem spontanen Protest am "Schwarzbau Gorleben" versammeln sich am Sonntag die Gorleben-Gegner an dem Ort, der aus ihrer Sicht diese Feststellung untermauert. BI-Sprecher Wolfgang Ehmke: "Unsere Gedanken und unser Bangen kreisen um die Menschen in Japan. Umso ärgerlicher ist der politische Reflex der Kanzlerin. Das Reaktorrisiko und die nukleare Hinterlassenschaften, der hochradioaktive Müll, der eine Million Jahre sicher vor der Biosphäre abgeschlossen muss - das sind zwei Seiten einer Medaille und Ausdruck menschlicher Hybris. Deshalb fordern wir den sofortigen Atomausstieg."

In Deutschland sei man - im Unterschied zur Abhängigkeit vom Atomstrom wie in Japan - in einer energiepolitisch komfortablen Lange: Im ersten Quartal 2010 erzielte die Bundesrepublik mit gut 9 Milliarden Kilowattstunden den höchsten Exportüberschuss ihrer Geschichte. Damit wurde im ersten Quartal in Deutschland 6,7 Prozent mehr Strom erzeugt als verbraucht - obwohl die Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel nicht eine einzige Kilowattstunde produzierten. Der Exportüberschuss entsprach ziemlich exakt jener Menge, die in der gleichen Zeit in den alten Reaktoren Biblis A und B, Neckarwestheim I, Isar 1, Philippsburg 1 und Grafenrheinfeld erzeugt wurde. Deutschland hätte auf diese acht Atomkraftwerke sofort verzichten können - und hätte selbst dann noch eine ausgeglichene Bilanz.

Ehmke: "Selbst bei einem vollständigen Atomausstieg gingen die Lichter nicht aus, bei einer Katastrophe sehr wohl."

Foto: Timo Vogt / randbild




2011-03-13 ; von asb (autor),

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