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Kinoabend: „Wilde(r)mann“

Wilde(r)mann“ spielt im Harz und ist ein moderner Heimatfilm. „Wilde(r)mann“ ist ein poetisches Meisterwerk, das in die verwunschene Welt eines eigenwilligen Bauern einführt...

Wolfgang Beuse ist durch den Film von Roswitha Ziegler zu einer Art Vorbild und Legende geworden. Beuse führt seinen Hof gegen jede ökonomische Vernunft auf traditionelle Art. Er beweist, dass es möglich ist, eine harmonische Welt am Leben zu erhalten, von der mancher schon glaubte, dass sie endgültig untergegangen wäre.

Zugleich ist „Wilde(r)mann“ das Portrait einer Region, die vom Turbo-Kapitalismus aufgegeben wurde. Hier zu wirtschaften, lohnt sich nicht – zumindest nicht nach den strengen Gesetzen einer auf Wachstum getrimmten Agrar-Industrie. Alles ist zu klein, zu umständlich, mit zu wenig Maschinenarbeit und zu wenig Investment verbunden.

Der Bürgermeister von Wildemann nennt die kleine Bergstadt einen „sterbenden Ort“: weniger und weniger Einwohner leben in dem Städtchen. Es gibt dort einfach keine Arbeit mehr. Auch der Tourismus bleibt langsam aus.
Doch Roswitha Zieglers Bilder beweisen das Gegenteil: das „Harzer rote Höhenvieh“ gedeiht unter der pflegenden Hand des schrulligen Bauern. Natur und Berglandschaft strahlen einen einzigartigen Zauber aus.
Mittendrin wirkt und werkelt auf Beuses Hof eine Gruppe störrischer, liebenswürdiger Figuren, die der allgemeinen Perspektivlosigkeit den Kampf angesagt haben. Sie wollen jedem zeigen, dass es auch anders geht.
Beuse versammelt auf seinem Hof “Klein Tirol” die verschiedensten Tiere, schart um sich die unterschiedlichsten Menschen. Gemeinsam versuchen sie, vom Aussterben bedrohte Tierrassen und Harzer Kulturgut, Hirtentrachten und Lieder in unsere Welt hinüberzuretten.

Ein erstaunlich aktueller Film ist „Wilde(r)mann“, der mitten in der Wirtschaftskrise 2008 gedreht wurde. Er macht klar, dass Beuses Vermutungen über “die da oben”, die nur raffgierig immer mehr Geld anhäufen und den “kleinen Mann” unmündig werden lassen, Wirklichkeit geworden sind. Für Beuse brauchte es keine globale Krise, wie wir sie heute erleben, um zu erkennen, dass etwas falsch läuft.

Ein Porträt in vier Jahreszeiten ist dieser wunderliche Film – mit liebevollem Blick zeigt uns die Regisseurin den Viehauftrieb, das herbstliche Erntedankfest und den hohen Besuch des Innenministers – ein ganzes Jahr in Wildemann, mit Schnee, Regen und Ostereiern. Am Ende steht die Bewunderung für diesen „einfachen“ Bauern, der für eine Utopie lebt, die dringend ein paar Nachahmer bräuchte.

Der Eintritt ist frei.

Der Film dauert 92 Minuten.
Im Anschluss an den Film gibt es ein Gespräch mit der Regisseurin.

Am Sonntag, den 5. August 2018 um 19 Uhr im BBM eV in
19309 Unbesandten, Am Elbdeich 17  




2018-08-03 ; von
in Am Elbdeich 20, 19309 Unbesandten, Deutschland

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