Thema: endlagersuche

Offizieller Auftakt zur Endlagersuche - Ende des Vertrauensverlusts?

Mit einem Festakt startete die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) am Dienstag offiziell die Endlagersuche. Damit wird ein Prozess eingeläutet, der spätestens 2031 mit der Benennung eines Endlager-Standorts enden soll.

Beim Festakt anlässlich des offiziellen Starts am Dienstag nannte Bundesumweltministerium Barbara Hendricks die Suche nach einem Standort für ein Atommüll-Endlager eine "Jahrhundertaufgabe". "Gründlich" solle gesucht werden, so Hendricks.

Zuständig für Suche nach einem geeigneten Standort ist die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Am Dienstag nahm sie ihren Betrieb auf. Sie wird in den nächsten Jahren Daten über geeignete Standorte in Deutschland sammeln, um dann nach ober- und untertägigen Erkundungen von möglichen Standorten sowie der Prüfung weiterer Kriterien einen Auswahlvorschlag zu machen. Fachleute bezweifeln, ob dies bis zum Plantermin 2031 möglich sein wird.

Bisher gibt es weltweit kein Endlager für hochradioaktiven Müll. Nach langen Diskussionen eignete sich die Atomkommission darauf, dass neben Salzstöcken auch geologische Formationen aus Ton oder kristallinem Gestein auf ihre Eignung untersucht werden sollen.

Theoretisch gibt es keine Vorfestlegung auf bestimmte Regionen. Gorlebengegner befürchten allerdings, dass aufgrund der jahrzehntelangen - und Milliarden teuren - Erkundung des Salzstocks Gorleben dieser als gesetzt gilt. Auch vehemente Proteste führten nicht dazu, dass Gorleben aus dem Standortauswahlverfahren herausgenommen wurde.

Über die endgültige Standortbenennung entscheidet letztendlich der Gesetzgeber - Bundestag und Bundesrat. Sie sollen nach dem Standortauswahlgesetz anhand von wissenschaftlichen Kriterien einen Endlagerstandort festlegen. 

Skepsis und Kritik von Gorlebengegnern

Die Anti-Atom-Initiative ausgestrahlt! ist der Ansicht, dass das Standortauswahlverfahren gegen die Wand fahren wird. "Die frühzeitige Festlegung auf Tiefenlagerung, Formelkompromisse statt
tatsächlicher Verständigung bei den geologische Kriterien und vor allem eine völlig unzureichende Mitbestimmung der Betroffenen werden dazu führen, dass dieses Verfahren in einigen Jahren gegen die Wand fährt," so Jochen Stay, Sprecher der Initiative. "Denn damit lassen sich die Sicherheitsbedenken und Zweifel der Anwohnerinnen und Anwohnern potentieller Standorte nicht ausräumen."

Des Weiteren befürchtet Stay schlampiges Arbeiten und leichtfertige Entscheidungen, weil durch die Festlegung auf 2031 als Termin für die Standortbenennung ein enormer Zeitdruck aufgebaut werde.

Der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) fehlt immer noch eine gemeinsame kritische und wissenschaftlich basierte Aufarbeitung der bisherigen Endlagersuche. Die Öffentlichkeit sei außerdem in dass geplante Auswahlverfahren kaum eingebunden.

Rebecca Harms: eine Aufgabe für Generationen

"Die Aufgabe ein faires und offenes Suchverfahren nach bestem Wissen und Gewissen auf den Weg zu bringen ist eine der schwierigsten in der Geschichte der Bundesrepublik. So wie die Zukunft des Standortes Gorleben ist vieles ungewiss," so Rebecca Harms, Abgeordnete der Grünen im Europaparlament. "Wir müssen jedoch davon ausgehen, dass es noch sehr lange dauern wird bis zu einer verantwortbaren Endlagerung des Atommülls. Diese Aufgabe werden wir vielen nachfolgenden Generationen übergeben müssen."

Harms erinnert daran, dass angesichts der sehr viel längeren Zeiten bis zur Einlagerung in einem Endlager der "sorgsame und problembewusste Umgang mit der Zwischenlagerung" nicht vernachlässigt werden darf.

Außerdem: "Interdisziplinäre Forschung zu Atommüllentsorgung, wie es das Netzwerk ENTRIA in den letzten Arbeitsjahren auf den Weg gebracht hat, ist unbedingt in der deutschen Forschungslandschaft zu verankern und fortzuschreiben," so Harms. "Einen neuen Fadenriss in der wissenschaftlichen Arbeit zu einer der größten technischen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit darf es nicht geben."

Foto | BGE: Auch der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer war zum Festakt der BGE als Redner geladen. Töpfer leitet seit vergangenem Jahr das Nationale Begleitgremium, welches nach Töpfers Ansicht "eine neutrale, die Bürgerschaft einbindende Institution" sein und "als Ombudsstelle dem Bürger zur Verfügung stehen" soll.




2017-09-06 ; von asb (text),
in Berlin

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