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Freie Bühne Wendland begeisterte mit der "Höhbeck-Saga"

Ganz in der Nähe ihres ehemaligen Wohnhauses präsentierte die Freie Bühne die Geschichte von Margarete und Karl Voelkel, die Anfang des vergangenen Jahrhunderts auf dem Höhbeck siedelten - und den Grundstein für das heutige Saftunternehmen legten.

Rund 80 Zuschauer strömten am Donnerstag zur Premiere der "Höhbeck-Saga", dem neuesten Stück der Freien Bühne Wendland. Auch viele Höhbecker wollten sich die Geschichte der für den Höhbeck so bedeutsamen Pioniere Margarete und Karl Voelkel ansehen.

Ein schwarzer Vorhang, ein schlichter Holztisch mit zwei Stühlen - mehr Bühnenbild braucht es nicht, um den Zuschauern die karge Wohnung der beiden Siedler lebendig werden zu lassen. Wie schon in anderen Produktionen, ist es dem Ensemble der Freien Bühne Wendland auch in ihrem neuen Stück, der "Höhbeck-Saga" gelungen, mit geringem Aufwand große Wirkung zu erzielen. 

Erzählt und gespielt wird die Geschichte von Margarete und Karl Voelkel, die in den 20er Jahren des vorherigen Jahrhunderts als Anhänger der Wandervogel-Bewegung am Höhbeck ein freies und selbstbestimmtes Leben leben wollten. Die Gemeinschaft mit anderen Siedlern brach bald auseinander, doch das Ehepaar hielt an seinem Traum fest und begründete mit seinem kleinen Mostereibetrieb das heute weltweit agierende Natursaftunternehmen Voelkel.

Vom Traum zur Wirklichkeit

In Episoden erzählt das Stück - geschrieben von Peter Bauhaus - vom privaten Glück und Leid der beiden Voelkels. Im Wechsel zwischen Spielszene und Erzählung werden die Zuschauer in eine Welt von Entbehrungen, aber auch nicht zu brechendem Durchhaltewillen geführt.

In Zeiten technisierter Landwirtschaft ist es faszinierend, einen Einblick in Denken und Lebensweise zweier Pioniere der biologisch-dynamischen Anbauweise zu erhalten, die ihren Lebensunterhalt allein mit ihrer Hände Arbeit organisierten - und dabei immer auf der Suche nach geistiger Nahrung waren.

Die Geschichte beginnt mit der großen Liebe der Beiden, die voller Euphorie ihren Traum von einer natürlichen Landwirtschaft beginnen. Doch aus dem Traum wurde Wirklichkeit. "Und die will angepackt sein" (Zitat Margarete Voelkel). Und sie packten an, trotz aller Leiden und Entbehrungen. Trotz des Verlusts von zwei Söhnen und immer wiederkehrenden Rückschlägen.

Eine berührende Inszenierung

Kerstin Wittstamm (Margarete Voelkel), Christian Bruhn (Karl Voelkel), Henning Karge (Harm Voelkel und diverse andere Rollen) und Carolin Serafin (Linde Voelkel) zeigen in der "Höhbeck-Saga" erneut ihre Fähigkeit zu mitreißendem Spiel.

Insbesondere Henning Karge glänzt als Harm Voelkel und Darsteller verschiedener Rollen in Kurzauftritten wieder einmal mit intensivem und doch sensiblem Spiel. Begeisternd seine Auftritte als Postbote, Architekt, hilfsbereiter Nachbar oder als Rudolf von Koschützki , Freund des Ehepaars, Anhänger der Anthroposophie und Pionier der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, die er in Schlesien führend (mit)entwickelt hatte.

In Zwischenerzählungen erfahren die Zuschauer einiges über Margaretes Sehnsucht nach geistiger Nahrung jenseits von Kirche und Religion, vom Schmerz über den Kriegstod der beiden Söhne oder die übermäßigen Anstrengungen, den Lebensunterhalt zu sichern - und auch über ihre Geradlinigkeit und mangelnde Bereitschaft zu faulen Kompromissen.

Und auch Zeitgeschichte fehlt nicht. Berührend die Szenen über das dramatische Kriegsende am Höhbeck: Für vier Wochen wurde der Höhbeck im April 1945 zur Frontlinie. Wie viele Andere musste die Familie für Wochen das Heim verlassen, um sich vor Plünderungen von amerikanischen und russischen Soldaten sowie den letzten Gefechten in Sicherheit zu bringen.

Das Ende der Geschichte ist bekannt: Aus der kleinen Mosterei in dem kleinen Dörfchen Pevestorf, wurde das weltweit agierende Natursaftunternehmen Voelkel - als Familienbetrieb im Gedanken der Anthroposophie in der dritten Generation weitergeführt

Fazit: mit der "Höhbeck-Saga" ist der Freien Bühne eine Inszenierung gelungen, die einen berührenden Einblick in Leben und Denken der für den Höhbeck so bedeutsamen Pioniere der biologisch-dynamischen Landwirtschaft gibt. Trotz einiger Längen und manch hölzernen Dialogen begeistert und berührt das Stück dank seiner hervorragenden Schauspieler und der lebendigen Inszenierung von Caspar Harlan.

Darsteller:

Kerstin Wittstamm (Margarete Voelkel)
Christian Bruhn (Karl Voelkel)
Henning Karge (Harm Voelkel + diverse Nebenrollen)
Carolin Severin (Linde Voelkel)

Drehbuch: Peter Bauhaus
Regie: Caspar Harlan
Ausstattung: Amigo Harlan




Fotos

2021-07-31 ; von Angelika Blank (text),
in 29478 Höhbeck, Deutschland

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