Droht Lüchow-Dannenberg Maismonokultur?

Die Maisfelder im Landkreis haben seit dem Bau von rund 20 Biogasanlagen im Landkreis erheblich zugenommen. Stimmen werden immer lauter, die von "Maismonokultur" sprechen und von der Sorge, dass die Böden durch einseitige Nutzung veröden könnten.

 

Eigentlich wollte die Grüne Liste Wendland (GLW), dass das Thema "Bioenergie und Naturschutz" auf dem nächsten Kreistag verhandelt wird - doch wie aus dem Fachausschuss zu hören war, fehlten noch Informationen, so dass das Thema kurzfristig abgesetzt wurde.

Doch die Diskussion geht weiter. In ihrem Entwurf für den Fachausschuss erkennt die GLW zwar an, dass die Entwicklung der Biogasanlagen eine gute und notwendige Entwicklung war, dem Klimawandel zu begegnen. Doch nun sieht die Kreispartei eine problematische Entwicklung:

"Auch in unserem Landkreis werden oder wurden kürzlich große Biogasanlagen gebaut und Erweiterungsanträge für bestehende Anlagen gestellt. Die meisten der Anlagen werden hauptsächlich mit Mais gefüttert. Es entstehen Maismonokulturen, die, konventionell bewirtschaftet, negative Auswirkungen auf Grundwasser und Artenvielfalt haben."

Offensichtlich verliert der Bau von weiteren Biogasanlagen verbunden mit der Zunahme von Maismonokulturen in der Bevölkerung zunehmend an Akzeptanz. "Der weitere Bau von Biogasanlagen einhergehend mit Maismonokulturen ist auch für viele Menschen im Landkreis ein Problem. Neben den ökologisch negativen Auswirkungen verliert unser Landkreis auch für Touristen an Attraktivität", heißt es in der Ausschuss-Vorlage der GLW weiter.

Eigentlich wollte die GLW, dass schon an diesem Donnerstag im Kreistag eine öffentliche Diskussion über die Problematik „Biogasanlagen und Naturschutz“ eröffnet wird. "Möglicherweise lassen sich von der Politik her Wege finden einer problematischen Entwicklung entgegen zu wirken", so Hermann Klepper (GLW), Mitglied des Umweltausschusses, in seinem Entwurf.

Was sind die Fakten?

Nach Auskunft der Kreisverwaltung befinden sich derzeit drei Anlagen im Bau, zwei weitere sind im  Genehmigungsverfahren so weit fortgeschritten, dass ein Baubeginn, vielleicht sogar Inbetriebnahme, noch in 2010 erfolgen kann.

Diese drei im Bau befindlichen Anlagen werden eine installierte elektrische Leistung von 1001 kW haben. Hierfür werden 26550 t/a Inputstoffe benötigt in unterschiedlichen Zusammensetzungen. Die 2 eventuell zusätzlichen Anlagen sollen 926 kW elektrische Leistung haben und dafür weitere 22525 t/a Inputstoffe benötigen.

Das entspricht einer Maismenge, für die eine Anbaufläche von 622 ha benötigt wird. Dazu kommen nach Auskunft der Kreisverwaltung zwei Erweiterungsanträge, von denen einer bereits genehmigt und einer sich noch im Verfahren befindet. Mit diesen beiden Maßnahmen soll die installierte elektrische Leistung von 506 kw auf 1077 kw elektrischer Leistung angehoben werden

Für den Gesamtbetrieb der dann erweiterten Anlagen wird Mais von einer Anbaufläche von 297 ha benötigt.

- Also insgesamt rund 700 ha Anbaufläche, die im nächsten Jahr zu den 9 086 ha, die in diesem Jahr mit Silomais belegt waren, hinzukommen.

wnet bat die Landwirtschaftskammer, einmal darzustellen, wie sich der Silomaisanbau in Lüchow-Dannenberg in den letzten Jahren entwickelt hat. Ergebnis: im Jahre 2006 waren 4543 ha Ackerfläche mit Silomais belegt - im Jahre 2010 hat sich die Anbaufläche für Mais mit 9086 ha also nahezu verdoppelt.

Doch dem gegenüber stehen immer noch 23.725 ha Getreide und 3.936 ha Winterraps. "In Lüchow-Dannenberg haben wir im Gegensatz zu anderen Regionen, wo das Thema zumindest 'nicht ganz gegenstandslos' ist, mit dem Maisanbau noch kein Problem", so Andreas Scholvin, Berater bei der Landwirtschaftskammer in Uelzen. "Auch wenn wir den Landwirten keine Vorschriften machen können, was sie auf ihren Feldern anbauen, so halten sich doch die meisten an das Prinzip der Drei-Frucht-Folge, denn nur dieses garantiert, dass die Böden auf Dauer nicht ausgelaugt werden." Über ein Flächenmanagement wird in der Landwirtschaftskammer derzeit nicht nachgedacht aber der LWK ist durchaus bewusst, dass die Probleme schon im Nachbarkreis (in Darchau soll demnächst eine 2,6-Megawatt-Anlage entstehen) beginnen.

In Lüchow-Dannenberg ist der zu erwartende Zuwachs von 700 ha im Jahre 2011 vergleichsweise gering zu dem Plus im Jahre 2010, in dem 2875 ha Maisanbaufläche mehr verzeichnet wurden.

Experten haben inzwischen festgestellt, dass es nicht die kleinen dezentralen Biogasanlagen sind, die massive Konsequenzen für den Maisanbau in der Region haben. Vielmehr sind es die Mega-Anlagen der Energiekonzerne, die Energiepflanzen aus einem Umkreis von 50 - 70 km benötigen. Auch in der Region beginnen die Standort-Sucher aktiv zu werden. So hatte der Vertriebsleiter eines in der Region ansässigen Kraftwerks-Herstellers Kontakt zu Konzernvertretern die derzeit mit einem Investitions-Portefeuille von rd. 60 Mio. Euro in der Altmark aber auch am Rande von Lüchow-Dannenberg auf die Suche nach Standorten gehen.

Es scheint, dass die Hoffnung, die Fachleute vergangenenes Jahr in die Novelle des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes setzten, nach der Vergütungen für Ökostrom aus Groß-Anlagen wesentlich geringer ausfallen als die für landwirtschaftliche Kleinanlagen, sich womöglich nicht bewahrheiten könnte. So könnte sich die Idee, dass Landwirte als Energiewirte in eine etwas rosigere Zukunft gehen, sich in ihr Gegenteil verwandeln: durch die Investitionen von Großanlagenbauern werden die kleinen Anlagen in der Umgebung unrentabel.




2010-09-21 ; von Angelika Blank (autor),

landwirtschaft   erneuerbare energie  

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