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Kann die "Radio Zusa"-Frequenz noch erhalten werden?

Am Dienstag geht es im Ausschuss für regionale Entwicklung, Wirtschaft und ÖPNV noch einmal um den Fortbestand der "Radio Zusa"-Frequenz.

Kürzlich hatte die Landesmedienanstalt angekündigt, dass die dem Bürgerradio "Radio Zusa" eigens für das Wendland zugestandene Frequenz 89,7 im März 2021 abgeschaltet werden soll. Zu wenig Beteiligung, zu wenig finanzielle Unterstützung seitens des Landkreis - für die Genehmigungsbehörde Gründe genug, der Frequenz den Saft abzudrehen.

Kommunalpolitiker wollen die Abschaltung der Frequenz nicht hinnehmen. Im Kreistag wurde deshalb beschlossen, sich von verschiedenen Beteiligten noch einmal über den Stand der Dinge informieren zu lassen. Am Dienstag wird deshalb der zuständige Abteilungsleiter in der Landesmedienanstalt (NLM) Klaus-Jürgen Buchholz über die Gründe für die Abschaltentscheidung berichten. Wolfgang Laudan, Geschäftsführer von Radio Zusa und Claus Bauck, Kreisbrandmeister werden noch einmal die Bedeutsamkeit von Radio Zusa als wichtiges Medienelement im Wendland darlegen.

In der Beschlussvorlage, die die LINKE erstellt hat, wird gefordert, dass der Landkreis sich mit einer "angemessenen finanziellen Beitrag" an der Gesamt-Finanzierung beteiligt. Wie hoch dieser Beitrag sein soll, bleibt offen.

Für treue Radio-Zusa-Hörer bedeutet eine Frequenz-Abschaltung, dass sie "ihren" Sender nur noch über das Internet bzw. entsprechende Geräte hören können. Das Hören über die UKW-Frequenz wird dann nicht mehr funktionieren. Über kurz oder lang (zumindest in Westeuropa) wird Radio über UKW-Frequenz aber eh in die Mottenkiste der Medientechnik verschoben.
Eine Zwangsabschaltung der analogen Übertragung über die UKW-Frequenz wird disktutiert - ist aber in Deutschland noch nicht absehbar.    

Das EU-Parlament hat 2018 beschlossen, dass neue Autos künftig mit Digitalradios ausgestattet sein müssen. Experten gehen von einem Inkrafttreten der Regelung ab 2021 aus. Im Auto geht also bald Radiohören nur noch digital.

Warum gibt es eigentlich Radio Zusa?

Eigentlich ist die Idee prima: ein nichtkommerzieller, vom Land (über die Landesmedienanstalt/NLM) finanzierter Rundfunksender sollen allen BürgerInnen, ob jung oder alt, links oder rechts, religiös oder atheistisch, die Möglichkeit geben, Radiobeiträge mit eigenen Themen auf Sendung zu bringen. Nach den Spielregeln der NLM darf niemand abgewiesen werden, der eine Radiosendung machen möchte. Die einzige Spielregel: die Sendungen dürfen nicht rassistisch, sexistisch oder in sonst einer Art diskriminierend oder volksverhetzend sein. Mit der Einführung von Werbeeinnahmen nicht abhängigen Bürgerradios wurde ein Medium geschaffen werden, welches BürgerInnen mehr Beteiligung am Mediengeschehen mit eigenen Themen und eigenen Gestaltungsvorstellungen ermöglichen sollte.

Um das Ziel der möglichst breiten Beteiligung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen zu erreichen, war von Anfang Bestandteil der Finanzung, dass zur Unterstützung der Radio-Interessenten Medienassistenten mit an Bord sind, die bei der Erstellung von Beiträgen und Sendungen sowohl inhaltlich als auch technisch helfen.

In Lüneburg und Uelzen funktioniert das auch ganz gut. Doch in Lüchow-Dannenberg hat es seit Öffnung der Frequenz Ende der 90er Jahre keine regelmäßig hier tätigen Medienassistenten gegeben. Für einige Jahre existierte zwischen 2002 und 2007 ein Studio, zuerst in Lüchow, dann in Dannenberg. Doch mangels Finanzen konnten die dort tätigen mehr oder weniger ehrenamtlichen Aktiven den eigentlichen Auftrag eines Bürgerradios, nämlich engagierte Bürger für die Radioarbeit zu begeistern und sie bei den ersten Schritten zu begleiten, nicht erfüllen.

Ob Landfrauen, -jugend, Schulen, Museen, Kunst- und Kulturvereine - all die Institutionen, Vereine und Initiativen, die Sendungen machen könnten, wissen zumeist bis heute nichts von dieser Möglichkeit bzw. wissen nicht, wie sie eine Sendung gestalten sollen.

Für die Kommunalpolitik war Radio Zusa all die Jahre nie ein Thema. Auch diejenigen, die heute lautstark den Erhalt der Frequenz fordern, waren in den Jahren der Versuche, eine Studio-Finanzierung mit den entsprechenden Personalmitteln zu organisieren, nicht präsent. Mehr als ein laues Interesse am Ausbau des Wendland-Radios war bei allen Beteiligten - auch denen im Sender selbst - nicht vorhanden.

So blieb Radio Zusa im Wendland bis heute ein Projekt für einige Wenige. Sehr frühzeitig hatte die Feuerwehr "Zusa" für sich entdeckt und bietet schon lange unter dem Namen "Florian Zusa" regelmäßig Sendungen an. Auch der "Rote Kanal" einer Meuchefitzer Gruppe ist (oder war?) lange Zeit auf Sendung.

In den Nachrichten, bei Veranstaltungstipps oder Meldungen aus dem Sportbereich ist das Wendland in der Berichterstattung von Radio Zusa ganz vorne dabei. Gestaltete Beiträge allerdings, das heißt, durch eine/n Redakteur/in recherchierte und inhaltlich aufbereitete kleine Sendungen kommen nur selten aus dem Wendland.

Ehrenamtliche Reporter gibt es kaum noch und der Redakteur, der für die Berichterstattung aus dem Wendland zuständig ist, muss auch Themen aus Lüneburg und vor allem Uelzen abarbeiten.

Und wer hört Radio Zusa?

Wieviele Menschen Radio Zusa tatsächlich hören, bleibt weitestgehend im Dunkeln. Nach einer TSN-Emnid-Umfrage aus dem Jahre 2006 soll Radio Zusa bei 85,6 % der Bürger des Sendebereichs (also Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg) bekannt sein. Die Studie sagt aber nichts darüber aus, wie sich dieser Anteil auf Lüchow-Dannenberg bezogen darstellt, noch wieviele Bürger tatsächlich regelmäßig Radio Zusa einschalten.

Vielleicht gibt es darüber in der Ausschusssitzung am Dienstag Aufklärung. Interessant wird auch sein, wieviel interessierte Besucher - außer Feuerwehrleuten - die Ausschusssitzung haben wird.

Ob die Landesmedienanstaltung ihre Entscheidung noch einml revidieren wird, hängt auch stark davon ab, wieviel Engagement - inhaltlich wie finanziell - nun aus dem Wendland, aber auch von den Verantwortlichen bei Radio Zusa nun geleistet wird.

Die Sitzung beginnt um 14.30 Uhr im Kreishaus Lüchow, Raum A 200.

Foto: Hin und wieder sind Vertreter von Radio Zusa auch im Wendland unterwegs - wie hier 2012 bei einer Veranstaltung im Wendland.






2019-11-25 ; von Angelika Blank (text),
in Lüchow-Dannenberg, Deutschland

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