Thema: verkehr

Womit fährt das Wendland?

Der öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV) sowie die allgemeinen Verkehrs- und Kommunikationsanbindungen sind erstrangige Standortfaktoren für jegliche Entwicklungskonzepte einer Region. Es sind KO-Faktoren für die Entwicklung Lüchow-Dannenbergs: sind sie gut, ist alles, sind sie schlecht, ist nichts möglich. Ein Nahverkehrskonzept von Helmut Koch.

Nun gehört es nicht zu den wendländischen Geheimnissen, daß hier praktisch kein Nahverkehr stattfindet – sieht man von den Schulbussen einmal ab. Seit Jahrzehnten wird das von der Kommunalpolitik beklagt, es werden Gelder in Gutachten versenkt, dann wird der Geldmangel und die geringe Bevölkerungsdichte beklagt – und anschließend passiert die nächsten zehn Jahre nichts mehr. Paßt der Verkehr nicht in das Konzept der Regionalförderung der EU? Oder hat einfach niemand Lust, sich darum zu kümmern?

Seit der Fahrgastrat hier im Wendland aktiv ist, wird das Thema öffentlicher, und auch die Parteien haben die Wichtigkeit – zumindest verbal – erkannt. Aber mehr als die Forderung, den Hamburger Verkehsverbund (HVV) bis Dannenberg auszuweiten, ist dabei bisher nicht herausgekommen. Pardon! Ich vergaß das Alibi-Projekt Rufbus nach Dömitz.

Was macht den Beginn einer konkreten Veränderung, eines neuen Modells so schwierig? Zum einen, daß offenbar niemand in der Verwaltung wirklich initiativ wird. Zum anderen, daß die Kommunalpolitik das Thema bislang nie konkret angefaßt hat.

An fehlenden Ideen kann es nicht liegen; es gibt sie seit mindestens 20 Jahren in allen Parteien. Man könnte das Konzept (siehe Plan Seiten 36 und 37) „Kombinierter Ruf- und Linienverkehr“ nennen. Die Grundidee dabei ist simpel: Es gibt Regionallinien, die die Regionalzentren miteinander verbinden – Gartow, Dannenberg, Hitzacker, Lüchow und Clenze mit Lüneburg, Uelzen, Salzwedel und Ludwigslust.

Dann gibt es lokale Linien, die die Hauptorte des Kreises im Takt miteinander verbinden – Gartow, Dannenberg, Hitzacker, Lüchow und Clenze mit Bergen, Wustrow, Lübbow, Woltersdorf, Trebel, Schweskau, Prezelle, Vietze, Schnackenburg, Langendorf, Gusborn, Jameln, Küsten, Waddeweitz, Zernien, Göhrde und Neu Darchau.
Es gibt die Verteilung in der Fläche, um die Hauptorte mit den Wohnorten zu verbinden, die von Fuhrunternehmen besorgt werden soll. Und es gibt Bedarfsverkehr und Bedarfslinien für bestimmte Zwecke und Zeiten.

Das ganze wird über eine Verkehrszentrale organisiert. Der Flächenverkehr, der die Hauptorte (Linien-Haltestellen) mit den Wohnorten verbindet, wird nur auf Anmeldung (Ruf-Verkehr) mit Pkw hiesiger Fuhrunternehmer erfolgen. Die Taktlinien zwischen den Hauptorten halten nur auf Bedarf. Gesteuert wird das Ganze über Telefon, Internet und GPS.

Alle Fahrgäste erwerben eine Chip-Karte für eine Grundgebühr. Diese Chip-Karte ist die Fahrkarte und wird in den Fahrzeugen bei Fahrtbeginn und Fahrtende durch einen Kar-tenleser gezogen. Die tatsächlich gefahrenen Kilometer werden monatlich abgerechnet, wie bei der Telefonrechnung.

Funktionieren kann das Modell allerdings nur, wenn es massiv und über Jahre beworben und erklärt wird, bis es jedem bekannt ist und auch ältere Menschen genau wissen, wie es geht. Grundsätzliche Bedingung für dieses Bewerben ist jedoch, daß die entscheidenden Stellen das Modell nicht nur gut finden – sondern es wirklich und ernsthaft wollen.
Dann muß es in den ersten Jahren eine hohe Flexibilität und Lernfähigkeit der Organisatoren geben, um den Verkehr genau an den Bedarf anzupassen, den es tatsächlich gibt, denn nur so können Kosten minimiert werden.

Der Teufel steckt natürlich im Detail, zum Beispiel in der Frage, wie und ob sich der Schülerverkehr in das Modell integrieren läßt. Dies kann nur die Verwaltung aufgrund ihrer Erfahrung und Langzeitplanung beantworten. Aber damit die Verwaltung etwas derartiges tut, wird es einen Auftrag dafür geben müssen...

Auch die Frage der genauen Zeiten und wann welche Taktfolge der Busse wirklich sinnvoll ist, kann nur ein Praktiker wissen. Wahrscheinlich ist das nötige Wissen und Können in der Verwaltung vorhanden, aber ohne Handlungsanweisung... Und auch hier gilt: Das Ganze muß ernsthaft und wirklich gewollt werden.

Es muß eine/n geben, der anfängt. Es geht darum, Versuchsbereiche festzulegen und Neu-erungen bekanntzumachen. Ohne ein gutes Angebot und die intensive Werbung dafür – über etliche Jahre – kann die ausreichende Nutzung nicht in Gang kommen.

Entscheidend ist natürlich auch die Antwort auf die Frage: was kostet der Spaß? ÖPNV-Preise sind überall politische Preise. Wäre eine Kostendeckung wirtschaftlich zu erzielen, bräuchte die öffentliche Hand überhaupt nicht tätig zu werden. Aber mit einem guten Angebot und steigenden Fahrgastzahlen ist ein weitaus besserer Kostenanteil durch Benutzer möglich, als es heute der Fall ist.

 

Das grosse Ganze:

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2009-07-03 ; von Helmut Koch (autor),

verkehr   öpnv  

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