Thema: streuobst

Klettern für die Baumpflege

Was tun, wenn die Obstbäume so groß geworden sind, dass selbst die Teleskopsäge nicht mehr ausreicht? In einem Baumkletterkurs am Höhbeck lernten die Teilnehmer, wie auch hohe Obstbäume sicher beschnitten werden können.

Jetzt, Ende März, ist die letzte Zeit im Frühjahr, Obstbäume zu beschneiden. Gerade alte Obstbäume sind aber über die Jahre oft so groß geworden, dass sie mit einfachen Mitteln nicht mehr zu pflegen sind. Was also tun, wenn selbst mit der Teleskopsäge keine präzisen Schnitte mehr möglich sind?

Da hilft nur eins: in den Baum hineinklettern, um genau dort schneiden zu können, wo es notwendig ist. Im Rahmen des Projektes "Natur und Kultur erleben auf der Route der alten Obstsorten im Wendland" konnten sich acht TeilnehmerInnen kürzlich auf einem Seminar am Höhbeck mit der Klettertechnik vertraut machen.

Ein seltsames Bild war dabei im Garten der Familie Wiegmann auf dem Höhbeck zu beobachten. In mehreren Obstbäumen hingen gut abgesicherte, mit Sturzhelm ausgestattete Menschen in teilweise atemberaubenden Positionen, um auch die äußersten Äste der alten Obstbäume noch zu erreichen. Sicherheit stand dabei an erster Stelle, denn oft muss in einer Höhe von fünf bis acht Metern gearbeitet werden. Da kann ein Absturz fatale Folgen haben.

Zum Einsatz kommt deshalb eine Ausrüstung, die der eines Bergsteigers sehr nahe kommt. Stabile Seile und Gurte, ein Gürtel mit allerlei Werkzeug "an Bord" ist die Grundausstattung eines kletternden Baumpflegers. Die "Seilunterstützte Baumklettertechnik (SKT)" darf professionell allerdings nur nach einer vorherigen Ausbildung angewandt werden - denn sie ist nicht ohne Risiko.

Dennoch: "Durch die immer mehr angewandte Technik des Baumkletterns ist es gelungen, auch jüngere Menschen für die Baumpflege zu interessieren," so Asta von Oppen, Leiterin des LPV-Projektes. "Bisher waren es oft Menschen im Rentenalter, die sich für Baumschnitt interessierten."

Klettern wie im Gebirge

Nicht umsonst werden die Seile so am Baum angebracht, dass selbst beim Abrutschen vom Ast ein zweites Sicherungsseil noch Halt gibt. Unter Anleitung des professionellen Kletter-Baumpflegers Kai Bergengruen trainierten die TeilnehmerInnen des Kurses diese effektive, wenn auch risikobehaftete Technik.

Der Vorteil der SKT ist, dass selbst weit heraushängende Äste im oberen Teil des Baumes präzise geschnitten werden können. Denn für jeden Baum, für jedes Ziel müssen ganz bestimmte Äste an bestimmten Stellen beschnitten werden. Soll ein Jungbaum "erzogen" werden, um optimalen Wuchs zu erreichen? Geht es um einen Erhaltungsschnitt, um einem alten Baum die Lebenszeit zu verlängern? Oder soll der Ertrag des Baumes gesteigert werden?

Bäume schneiden - aber richtig

"Jeder Baum hat seine individuellen Wuchseigenarten, die vor dem Schnitt genau zu beurteilen sind," rät Kai Bergengruen. Deswegen redet er von "Baumansprache" vor dem Schnitt, bei der betrachtet wird, wo Schädigungen vorhanden sind, wie die Äste bisher gewachsen sind oder wie das Verhältnis der Kurz- und Langtriebe ist. So kann der Fachmann beurteilen, wie der Baum zu beschneiden ist. "Wichtig ist, die Baumansprache mit einer klaren Zielsetzung zu verbinden, um richtige Maßnahmen vornehmen zu können," so Bergengruen.

Aber auch Schnittstärke und -techniken, der richtige Zeitpunkt und viele weitere Faktoren sind wesentlich für einen erfolgreichen Baumschnitt. Deswegen macht es Sinn, sich grundlegende Kenntnisse in Schnittkursen anzueignen, wie sie zum Beispiel der Landschaftspflegeverband Wendland Elbetal (LPV) anbietet.

In seinem bereits oben erwähnten Projekt "Natur und Kultur erleben auf der Route der alten Obstsorten im Wendland " wird der LPV in den nächsten zwei Jahren mit Kursen und Vorträgen tiefer in das Thema einführen. Ein Baumpflegekurs mit Klettereinführung ist zum Beispiel für nächstes Jahr wieder geplant.

Pflanzaktionen, Aktionstage, Führungen und eine Wanderausstellung sollen zusätzlich Anreize schaffen, die Vielfalt der Streuobstwiesen im Wendland zu beobachten und dieses kostbare Naturerbe hautnah zu erleben.

Nähere Informationen über Kurstermine und die Aktionen im Rahmen des Projektes gibt es beim Landschaftsverband Wendland Elbetal .

Fotos / Angelika Blank: Das Beschneiden der alten Obstbäume auf dem Höhbeck mittels Klettertechnik machte den TeilnehmerInnen so viel Freude, dass sie sich freiwillig auch die Obstbäume im Pfarrgarten Gartow in Form brachten.








Fotos

2017-03-24 ; von Angelika Blank (autor),
in Brünkendorf, 29478 Höhbeck, Deutschland

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